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SCHMERZTHERAPIEZENTRUM |
Erfahrung schon seit 1983
Primärer GESICHTSSCHMERZ
(Gesichtschmerz)
Manche (wenige) Autoren schreiben den Begriff nur mit einem s (Gesichtschmerz)
Gesich tsschmerzen lassen sich in 2 Gruppen einteilen:
1. pri märer (idiopathischer, essentieller) und
2. se kundärer (sym ptomatischer) Gesichtsschmerz
Bei der ersten
Gruppe handelt es sich um eigenständige
Schmerzerkrankungen
und bei der zweiten Gruppe ist der Schmerz Symptom
(=
Krankeitszeichen) einer (anderen) definierten Erkrankung.
Beispiel: Sind
Wangenschmerzen auf
eine
Kieferhöhlenentzündung
zurückzuführen, handelt es sich nicht um einen pri
mären, sondern um einen se kundären
Gesichtsschmerz.
Systematik der primären Gesich tsschmerzen (wenn Sie die jeweilige Krankheit anklicken, gelangen Sie direkt zum betreffenden Text)
| ---- Atypischer Gesichtsschmerz (persist ierender idiopathischer Gesichtsschmerz) |
| ---- Id iopathische Trigeminus-Neuralgie |
| ---- Intermediusneuralgie |
| ---- Glossopharyngeusneuralgie |
| ---- Laryngeus-superior-Neuralgie |
| ---- Cluster-ähnliche Schmerzsyndrome |
| ----------Sluder-Neuralgie (Neuralgie des Ganglion pterygopalatinum) |
| ----------Nasociliaris-Neuralgie (Charlin-Syndrom) |
Atypischer Gesichtsschmerz:
Diese
primäre Schmerz art wird inzwischen
als anhal
tender (oder persistierender) idiopath
ischer Gesichtsschmerz bezeichnet. Der Begriff bezeichnet einen Gesich
tsschmerz, der zwar vorwiegend im Bereich des Trigeminus, jedoch nicht
streng paroxysmal
(= anfallsartig)
auftritt. Die
Schmerzregion ist in der Regel nicht mit dem Ausbreitungsgebiet des mutmaßlich
betroffenen Nervenastes identisch, nicht selten sind auch beide
Gesichtshälften betroffen. Es sind keine deutlichen Triggermechanismen
(= Auslösemechanismen)
vorhanden, weshalb auch Triggerzonen meist fehlen.
Überwiegend klagen die Patienten mit einem atypischen
Gesichtsschmerz über
Dauerschmerzen bzw.
länger anhaltende Schmerzsensationen, die sich aber auch anfallsartig verstärken
können. Manchmal liegen beim atypischen Gesich tsschmerz
(chronischer) psychische Überlagerungen vor (z.B. depressive Verstimmung,
psychovegetative Labilität, neurotische
Verhaltensstörungen).
Oft ist die körperliche Untersuchung völlig unauffällig. Teilweise sind
die korrespondierenden NAP
(= Nervenaustrittspunkte) (Foramen
supraorbitale, infraorbitale und mentale) druckdolent
(= druckschmerzhaft).
Die Beschreibung der
Schmerzqualität ist uneinheitlich, teilweise wird brennend angegeben, teilweise
dumpf und drückend.
Zur Therapie beim atypischen Gesich tsschmerz
(chronischer) können wie bei der id iopathischen
Trigeminusneuralgie
Antikonvulsiva (=
krampflösende Mittel)
(z.B. Carbamazepin, Gabapentin, Pregabalin) versucht werden, allerdings
fällt die Erfolgsquote geringer aus. Ähnliches gilt für die Verordnung von
Baclofen, auch in Kombination mit einem Antikonvulsivum
(= eigentlich ein Mittel gegen
die Fallsucht, aber auch gegen bestimmte
Schmerzen wirksam).
Aus unserer Sicht heraus sind bei einem atypischen Gesich
tsschmerz (chronischer) das Mittel der Wahl eher
Antidepressiva. Vereinzelt sprechen die Beschwerden auf einfache
Schmerzmittel wie ASS oder Paracetamol an.
Manchmal hilft auch ein Gemisch aus Uridin- und Dinatriumsalzen (Keltican®).
Tri- oder tetrazyklische
Antidepressiva
eignen sich auch zur Prophylaxe
(= Vorbeugung) bei einem
episodenhaft auftretenden atypischen Gesich tsschmerz.
Zufriedenstellend wirksam ist die
therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem
örtlichen Betäubungsmittel
bzw.
Lokalanästhetika) (z.B.
Bupivacain 0,25-0,5%). Dabei werden im Rahmen einer stationären Behandlung1-2 x täglich die betroffenen
Gesichtsnerven an ihren
Austrittspunkten (Foramen supraorbitale, infraorbitale oder mentale) blockiert
und das dominante Schmerzareal flächenhaft infiltriert
(Leser et Hefermann
1989, Bad Mergentheim).
In hartnäckigen Fällen kann auch bei dieser Indikation die engmaschig
wiederholte Durchführung von
Ganglion stellatum -Blockaden
(= Betäubungen einer vegetativen Schaltstelle im seitlichen Halsbereich)
in engmaschiger Abfolge versucht werden, gleiches gilt für das Ganglion
cervicale superius
(vegetativen Schaltstelle im
Gaumenbereich), bei diesem wird aber statt
einem
Lokalanästhetikum
(=
örtliche Betäubungsmittel)
z.B. Buprenorphin verwendet.
Physikalische
Therapiemaßnahmen wie Wärme- oder
Kälteapplikation, aber auch transkutane Nervenstimulationen können beim
atypischen Gesich
tsschmerz (chronischer) zur Linderung beitragen.
Operative Verfahren ((Elektrokoagulation
(= elektrische „Verkochung“)
des Gangl
ion Gasseri oder Thermokoagulation))
sollten nur dann in Erwägung gezogen werden, wenn höhergradige psychische
Überlagerungen auszuschließen sind.
Psychologische Interventionen beim atypischen Gesichtschmerz
(chronischer): Hauptsächlich Entspannungstechniken,
Schmerzbewältigung.
Idiopathische Trigeminusneuralgie:
Vom Prinzip her könnte bei diesem chronische
n Gesichtsschmerz
der Zusatzbegriff "idiopathisch"
(= ohne erkennbare Ursache)
entfallen, da alleine die Zuordnung zu "primärer
Gesichtsschmerz" eine fehlende oder zumindest uneinheitliche
Ätiologie (=
Krankheitsursache, -entstehung)
dokumentiert.
Das charakteristische
Schmerz
bild ist gekennzeichnet durch anfallsartige
Schmerzattacke
n mit maximaler Stärke und überwiegend kurzer Dauer (Sekunden). Der
Schmerzbereich deckt sich mit dem Ausbreitungsgebiet des betroffenen
Nervenastes. Die
Schmerzanfälle
können auch durch physiologische, taktile (= den Tastsinn betreffende),
thermische oder propriozeptive
(= den Eigenreflex betreffende)
Reize ausgelöst werden. Häufige Triggermechanismen
(= Auslösemechanismen)
sind Kauen, Sprechen oder bestimmte Gesichtsbewegungen, die
Berührung
bestimmter Hautareale, die Einwirkung von Wasser oder generell Kälteexposition.
Meistens sind Triggerpunkte bzw. Triggerzonen identifizierbar. In der Regel
tritt die
Schmerzattacke
streng einseitig auf (5% beidseitig) und überwiegend im 2. und 3. Ast (ca. 4% 1.
Ast) (Thoden 1987). Die Beschwerden treten oft periodisch auf,
schmerzfreie Intervalle sind häufig. Manchmal gehen die Attacken dieser
Gesichtschmerz en auch in äußerst schmerzhafte längere Salven über.
Bei stärksten
Schmerzattacken
treten Zuckungen der
Gesichtsmuskulatur
hinzu (Tic douloureux). Im Anfall ist die betroffene
Ges
icht
spartie meist leicht gerötet, bedingt durch den Sch
merz kann Tränensekretion ausgelöst
werden, was dann oft zur Verwechslung mit dem
Bing-Horton
-
Kopfschmerz
führt,
besonders wenn der 1. Ast betroffen ist. Im Unterschied zur
Horton Neuralgie treten die Attacken meist nur am Tage auf.
Bei der körperlichen Untersuchung sind die zugehörigen
Nerven
austrittspunkte oft druckschmerzhaft (bei ca. 60%). Das weibliche
Geschlecht und Patienten jenseits des 40. Lebensjahres erkranken häufiger.
Diagnostik: Ausführliche Anamneseerhebung
(= Schmerzvorgeschichte),
neurologische Untersuchung, bei unklaren Befunden (z.B. neurologische Defizite)
zusätzlich Röntgenaufnahme der Schädelbasis und CT, u.U. auch
Kernspintomographie sowie Liquordiagnostik
(= Hirnwasseruntersuchung).
Medikamentöse Schmerztherapie bei
Trigeminus-Neuralgie:
Als Mittel der 1. Wahl gelten
Gabapentin oder Pregabalin und Carbamazepin als 2. Wahl. Die Dosierung soll langsam einschleichend
erfolgen. Diese sog. Antikonvulsive dürfen nicht abrupt abgesetzt werden,
sondern langsam ausschleichend über mindestens 10 Tage. Allzu schnelle Dosisreduktion oder abruptes Absetzen führen meist zu heftigsten Schmerzat
tacken. Bei ungenügender Wirkung können
300-400 mg Phenytoin, Lamotrigin oder 3-8 mg Clonazepam versucht werden.
Alternativ, oder in Kombination zur Einsparung von Antikonvulsiva, kann auch das
zentral wirksame Muskelrelaxans Baclofen
(= im Gehirn / Rückenmark
wirkendes Mittel zur Muskelentspannung) versucht werden. Die
Dosierung erfolgt einschleichend, z.B. Beginn mit 3x5 mg/d. In Kombination mit
Antikonvulsiva sollte eine Tagesdosis von 90mg nicht überschritten werden (Steardo
et al. 1984). Die Höchstdosierung gibt der Hersteller allerdings mit nur 75
mg an.
In der Regel sind bei diesem Gesichtsschmerz peripher wirksame
Analgetika (=
Schmerzmittel)
ohne Nutzen, zentral wirksame allenfalls in hoher Dosierung (Gefahr einer
Schmerzmittelabhängigkeit).
Hin und wieder sahen wir einen schmerzlindernden Effekt bei der Gabe eines
Gemisches aus Uridin- und Dinatriumsalzen (Keltican®). Dosierung: 2mal
tgl. 1-2 Kps. zusätzlich 2mal wöchentlich eine i.m.-Injektion. Bei stärksten
Schmerzattacken mit statusähnlichem Charakter hat
sich die Verabreichung von Phenytoin als Kurzinfusion bewährt.
Zur Behandlung der
Trigeminusneuralgie
hat sich auch die
therapeutische Lokalanästhesie
(= Behandlung mit einem
örtlichen Betäubungsmittel)
(Leeser
et Hefermann
1989 Schmerzklinik Bad Mergentheim) bewährt. Dabei werden je nach
individueller Wirkzeit 2-3 x täglich die betroffenen
Ges
icht
s
nerven
an ihren Austrittspunkten (Foramen supraorbitale, infraorbitale oder mentale)
mit ca. 1 ml Bupivacain 0,5% blockiert und die im Anfall dominanten Schmerzareale und Triggerzonen
flächenhaft mit ca. 2-3 ml Bupivacain infiltriert.
Eine Leitungsanästhesie der Nerven maxillaris und mandibularis kann auch durch
die Incisura mandibulae
(= Einschnitt im Unterkiefer, nahe am Kiefergelenk)
hindurch mit jeweils ca. 2-3 ml Bupivacain (0,5%) erfolgen. Nächst höhere
Therapiestufen sind dann Blockaden des Ganglion stellatum
oder
Ganglion cervicale superius
(= Schaltstellen im unwillkürlichen Nervensystem
im hinteren
Rachen - bzw.
seitlichen Halsbereich) zu empfehlen,
letztere als
GLOA
(=
ganglionäre
Opioidanalgesie),
wobei statt einem
Lokalanästhetikum
(=
örtliche Betäubungsmittel)
z.B. Buprenorphin verwendet.
Unter dieser konsequenten, täglichen Therapie kann dann eine bestehende
Carbamazepin-, Pregabalin- oder Gabapentin-Medikation langsam ausschleichend
reduziert werden, ohne daß heftige Schmerzattacken auftreten.
Neurochirurgische
Interventionsmöglichkeiten bei diesem Gesichtsschmerz (primärer):
Diese sollten bei einem chronischen Gesichtschmerz nur
dann zum Einsatz kommen, wenn medikamentöse Behandlungsversuche erfolglos
bleiben. Nachteil der Elektrokoagulation
(= elektrische „Verkochung“)
des Gangl
ion Gasser
i
ist die relativ hohe Rezidivquote
(= Rückfallrate). Eine
gefürchtete Komplikation ist eine
Nervenläsion
(= Funktionsstörung) des ophthalmicus
(bis hin zur Erblindung). Durch Thermo- oder Kryokoagulation des Gangl
ion Gasser
i
treten insgesamt deutlich weniger Nebenwirkungen auf. Schmerzrezidive (=
Wiederauftreten des Schmerzes) werden
allerdings auch bei dieser Methode mit 5-20 % angegeben (Siegfried
1977).
Retroganglionäre Wurzeldurchtrennungen, Traktotomie oder Thalamotomie
werden heute kaum mehr durchgeführt (Moebius et al. 1989). Obsolet
(= veraltet)
sind Exhairese
(= herausziehen)
oder Alkoholinjektionen peripherer Trigeminusäste (Diener et al. 1994).
Insgesamt gesehen hat sich in den letzten Jahren eine zunehmende Zurückhaltung
bei der Indikationsstellung zur operativen Behandlung durchgesetzt (Ausnahme:
Operation nach Janetta). Nichtmedikamentöse Therapiemaßnahmen haben sich bei
diesem Gesichtsschmerz nicht oder nur ungenügend bewährt.
Intermedius-Neuralgie:
Dieser Gesichtsschmerz (primärer) ist gekennzeichnet
durch streng einseitige, attackenförmig lanzierende
Schmerzen im
Bereich des äußeren Gehörgangs mit Ausstrahlung in die Tiefe des
Ohres, zum
Gesicht,
bis hin zum
Gaumendach und
Oberkiefer. Häufig
strahlen die Beschwerden auch nach dorsal bis zum
Nacken aus. Oft
gesellt sich eine Hypersekretion
(= Überfunktion)
der Speicheldrüsen dazu.
Neben der idiopathischen gibt es auch eine symptomatische (=
als Krankheitsfolge)
Form bei Zosterinfektion des Ganglion geniculi, wobei auch eine
Fazialisparese (=
Gesichtsmuskellähmung)
auftritt.
Die Therapie der Wahl besteht bei der
Intermediusneuralgie
in der Verordnung von Antikonvulsiva
(= Mittel gegen das
Krampfleiden) (Carbamazepin,
Gabapentin oder Pregabalin).
Erfolgversprechend ist auch eine Serie von
Stellatumblockaden
(= Betäubung einer vegetativen
Schaltstelle im seitlichen Halsbereich)
oder auch Blockaden des Ganglion cervicale superius
(= vegetative Schaltstelle im
Rachen).
Glossopharyngeus-Neuralgie:
Dieser Gesichtsschmerz ist gekennzeichnet durch streng
einseitige paroxysmal
(= anfallsartig)
einschießende, heftige Schmerzsensationen, die vorwiegend im Bereich des
Rachens, des weichen
Gaumens und des
Zungengrundes auftreten, manchmal auch mit Ausstrahlung zum
Ohr hin oder in die
Zähne.
Eine weitere Ähnlichkeit mit der
Trigeminusneuralgie
besteht darin, daß oft Triggermechanismen
(= mechanische Schmerzauslösung z.B. bei bestimmten
Mundbewegungen) im
Schmerzbereich vorliegen.
Die Diagnose ist einfach, wenn durch Spateldruck in der Tonsillenregion
(= Mandelregion)
eine typischer
Schmerzanfall
ausgelöst werden kann. Teilweise geben die Patienten an, daß auch durch Gähnen
oder ausgedehnte Zungenbewegungen Attacken ausgelöst werden können.
Synkopen (= kurze
Bewußtlosigkeit)
und Herzstillstände sind beschrieben,
dürften jedoch äußerst selten sein.
Manchmal strahlen die Beschwerden zum Mastoid
(=
Knochen
hinter dem
Ohr) aus, was zur
Verwechslung mit der
Intermedius-Neuralgie führen kann. Wie bei der
Trigeminusneuralgie kommen auch schmerzfreie Intervalle vor.
Therapeutisch gilt bei der
Glossopharyngeusneuralgie
als Mittel der Wahl wieder Carbamazepin, einschleichend bis 1500mg/d, oder
besser noch Gabapentin bzw. Pregabalin.
Hilfreich, vor allem wenn die Attacken nicht so häufig auftreten, ist auch eine
Oberflächenanästhesie im hinteren
Rachenbereich mit
2%igem Xylocain® (=
ein mittellang wirkendes örtliches Betäubungsmittel)
in Sprayform. Mittels des langen und dünnen Auslaßröhrchens können die einzelnen
Hübe ziemlich genau in den Triggerbereichen plaziert werden. Der Patient kann
die Anwendung ohne weiteres vor dem Spiegel erlernen. Bei einer solchen
Selbstmedikation muß wegen der Gefahr der Überdosierung die Anzahl der
Einzelhübe und der möglichen Gesamthübe eines ganzen Tages vorgeschrieben
werden. Da gerade im Schleimhautbereich mit einer raschen und zuverlässigen
Resorption gerechnet werden muß, ist diese Unterweisung besonders sorgfältig
durchzuführen.
Bei diesem Gesichtsschmerz (primärer) kann auch eine
wiederholte Infiltrationsanästhesie mit
Bupivacain 0,5%
(= lang wirkendes örtliches
Betäubungsmittel) versucht werden.
Der Einstich erfolgt am oberen bzw. ventralen Rand des vorderen Gaumenbogens,
ca. 1-2cm neben der Medianlinie. Die Schwierigkeit dieser Injektion besteht
darin, daß die Glossopharyngeusneuralgie insgesamt recht selten auftritt und
deshalb Übung in der Handhabung dieser Injektionstechnik selten erreicht wird.
Außerdem ist die Injektionsbehandlung für den betroffenen Patienten in der Regel
so schmerzhaft, daß sie nicht wie bei der
Trigeminusneuralgie
über 10-14 Tage hinweg 2x täglich durchgeführt werden kann.
Eine gute Therapiemöglichkeit bietet die Blockade des
Ganglion stellatum
(= eine Schaltstelle des
unwillkürlichen Nervensystems im seitlichen Halsbereich)
oder auch des Ganglion cervicale superius
(= eine Schaltstelle des
unwillkürlichen Nervensystems im Rachenbereich).
Die wiederholte Instillation von Procain, wie sie auch in neueren
Veröffentlichungen noch propagiert wird, muß zugunsten der lang wirkenden
Lokalanästhetika aufgegeben werden.
Vor neurolytischen (=
nervenzerstörenden)
Blockaden ist wegen der Gefahr der
Nekrosebildung (=
örtlicher Gewebstod)
und nachfolgender Infektion dringend zu
warnen. Nach Janetta (1967) können die neuralgischen Beschwerden durch
eine Kompression des
Nerven
durch die A. vertebralis
(= Schlagader an der Wirbelsäule) entstehen, wobei sich
eine operative Dekompression anbietet.
Laryngeus-superior-Neuralgie:
Dieser Gesichtsschmerz ist gekennzeichnet durch heftige,
attackenförmige Beschwerden, die in der Regel sekundenlang (bis zu 2 Min)
anhalten.
Die Beschwerden werden hauptsächlich im seitlichen Kehl
kopf
bereich verspürt, nicht selten aber dominieren die Ausstrahlungen zum
Unterkiefer (Kieferwinkel) bis zum
Ohrläppchen oder
Gaumen und geben
dann zur Verwechslung mit der Glossopharyngeus-Neuralgie Anlaß. Es bilden sich typische
Triggermechanismen
(= Auslösemechanismen) wie
Schlucken, Sprechen, Husten oder starkes Gähnen aus.
Wie bei der Trigeminusneuralgie sind im Langzeitverlauf auch
schmerzfreie Intervalle möglich. Die Beschwerden treten streng einseitig auf.
Der Nerv entstammt dem N. vagus
(= ein sog. Hirnnerv). Er tritt
seitlich durch die Membrana thyroidea hindurch, wo er einer örtlichen Betäubung
mit einem
Lokalanästhetikum
(=
örtliches Betäubungsmittel)
zugänglich ist. In hartnäckigen Fällen wird man sich zu
Stellatumblockaden
(= Betäubung eneiner vegetativen
Schaltstelle im seitlichen Halsbereich) entschließen.
Ansonsten gelten als Mittel der 1. Wahl ebenfalls Gabapentin
oder Pregabalin.
Clusterkopfschmerz
-
ähnliche
Schmerzsyndrome
Neuralgie des Ganglion
pterygopalatinum (Sluder-Neuralgie):
Dieser Gesichtsschmerz
(primärer)ist charakterisiert durch länger dauernde Attacken (bis zu 20 min, selten länger)
die sowohl am Tage als auch in der Nacht auftreten können.
Betroffen ist einseitig die Orbita (= Augenhöhle),
der innere Augenwinkel und die
Nasenwurzel, oft mit Ausstrahlungen zum
Oberkiefer,
Rachen
und
Ohr.
Als charakteristisch gilt ein anfallsartiger heftiger Niesreiz (Soyka
1989). Wie bei der Cluster-
Neuralgie tritt
häufiger Tränen- und
Nasenfluß auf.
Oftmals läßt sich das Schmerzbild als
Cluster-Kopfschmerzen
und
Zervikal-Syndrom
auflösen, so daß die Sluder-Neuralgie als
eigenständiges Syndrom umstritten ist (Thoden 1987).
Nasociliaris-Neuralgie (Charlin-Syndrom):
Der Nervus nasociliaris ist ein sensibler Ast des N. ophthalmicus, der mit
seinem Endast (N. infratrochlearis) die Unterlidschleimhaut sensibel versorgt.
Der einseitig auftretende Gesichtsschmerz ist
gekennzeichnet durch unterschiedlich lang anhaltende
Schmerzattacken im
Bereich des inneren Augenwinkels mit regelmäßiger Ausstrahlung zur Orbita
(= Augenhöhle) und zum
Nasenrücken. Während des
Schmerzanfalls kommt es oft zu einer Rötung und verstärkten Schweißsekretion im
Bereich der schmerzseitigen
Stirnhälfte. Triggermechanismen
(= mechanische Schmerzauslösung z.B. bei bestimmten
Mundbewegungen)
sind beschrieben. Am Auge können entzündliche
Veränderungen vorhanden sein.
Die Therapie bei diesen
Schmerzen
orientiert sich an der des
Cluster-Kopfschmerzes.
Besonders zu empfehlen ist die intranasale
(= in die Nase) Oberflächenanästhesie mit z.B.
Xylocain-Spray®2%
(= ein mittellang wirkendes
örtliches Betäubungsmittel). Hilfreich sind oft
auch Infiltrationen im Gebiet des Ganglion ciliare mit einem lang wirkenden
Lokalanästhetikum
oder Stellatumblockaden
(= Betäubungen einer
vegetativen Schaltstelle im seitlichen Halsbereich).
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